Alexandros Consulting unterstützt Maschinen- und Anlagenbauer bei eskalierenden Projekten.
Wer beruflich seinen Horizont erweitern und seine Erfahrungen in neuen Situationen einsetzen will, kann den Job wechseln. Oder er macht sich selbstständig. Diesen Weg wählte der Maschinenbau-Ingenieur Alexandros Tsionis 2023, der nach fast zwölf Jahren im Projektmanagement bei der Starrag, davon die letzten fünf als dessen Leiter, Veränderung wollte.
Auf der Visitenkarte findet sich das Schema eines antiken Kriegers, das mit Helmbusch, Speer, Schild und griechischem Profil an Darstellungen von Alexander dem Großen erinnert. Auch der Name des Unternehmens spielt, so könnte man meinen, auf den einstigen Feldherrn an: Alexandros Consulting GmbH. Dabei ist es zuallererst der Name des Gründers, der sich hier widerspiegelt: Alexandros Tsionis hob das Beratungsunternehmen aus der Taufe.
Tsionis ist in Griechenland geboren, in der Hauptstadt Athen im Jahr 1984. Seine gesamte Schulzeit verbrachte er in Niedersachsen, legte einen kurzen Zwischenstopp in Stuttgart ein, woraufhin es ihn – der Liebe wegen – nach Chemnitz verschlug. Hier studierte er Maschinenbau mit Spezialisierungen in Fabrikplanung und Thermodynamik. Das ist die Basis fürs heutige Unternehmen. Nach dem Studium erfolgte zunächst eine Anstellung bei Starrag, mit über 400 Mitarbeitern bis heute einer der Platzhirsche unter den hiesigen Maschinenbau-Unternehmen. „Ich stieg hier ins Projektmanagement ein und konnte Karriere machen. In den letzten fünf Jahren meiner Tätigkeit bei der Starrag war ich Leiter des Projektmanagements und verantwortete ein jährliches Projektvolumen von bis zu 100 Millionen Euro“, berichtet er. Kundenkontakte führten ihn nach China, in die USA und quer durch Europa.
Eigentlich ein aufregendes Leben. „Mir wurde nach den vielen Jahren trotzdem irgendwann klar, dass ich eine Veränderung brauche: Das Projektmanagement lief, die Prozesse waren eingespielt. Als mit Corona auch noch viele Vor-Ort-Besuche bei den Kunden wegbrachen, habe ich dann überlegt, wie ich meine Kompetenzen anders nutzen kann.“ Statt für eine neue Festanstellung entschied er sich für den beschwerlicheren Weg der beruflichen Selbstständigkeit in der Beratungsbranche. „Meine Erfahrungen im Projektmanagement, meine Klarheit und meine Entscheidungslogik sind das, was ich einbringen kann. Es sind genau die Dinge, die in Organisationen häufig verlorengehen und Projekte dann zum Problemfall machen.“
Zuhören, analysieren, entscheiden
Genau um solche Problemfälle, häufig in Transformations- oder Claimprozessen, kümmert sich die Alexandros Consulting GmbH, zu der neben Tsionis inzwischen eine weitere Beraterin zählt. Als Basis für seine Aktivitäten hat das Unternehmen das Gründerzentrum am Brühl der Technologie Centrum Chemnitz GmbH gewählt. „Wir sind ein Unternehmen, das viel remote arbeitet und mit Kundeninterna vertraut wird. Wir brauchen deshalb vor allem ein abgeschlossenes Büro, in dem wir auch mal Sachen über Nacht liegenlassen können“, erklärt er. „Das Gründerzentrum liegt mitten im Stadtzentrum, bietet einen 24/7-Zugang und man braucht sich um Internetverträge oder die Reinigung nicht weiter zu kümmern. Damit haben wir hier für unsere Zwecke ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.“
Der größte Teil der Arbeit findet vor Ort beim Kunden statt: „Wir haben es häufig mit Projekten zu tun, die in der Sackgasse stecken, bei denen es zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber zu Streitigkeiten kommt, die zu eskalieren drohen.“ Dabei ist Tsionis inzwischen branchenübergreifend unterwegs, auch wenn Projekte im Maschinen- und Anlagenbau weiterhin eine große Rolle in der täglichen Arbeit spielen. „Wozu wir beitragen können, ist, für Klarheit zu sorgen: Wo steht ein Projekt und wie bekommen wir es aus der Krise heraus?“
Als seine wichtigste Aufgabe betrachtet es Tsionis in solchen Fällen, Fakten zu sammeln: „Ich vergleiche mich manchmal mit den Denkern der griechischen Stoa. Die spazierten durch ihre Halle, führten viele Gespräche, sammelten Erkenntnisse, gewannen neue Ideen. Bewegung bringt Inspiration.“ Und wenn es weniger philosophisch klingen soll: Den Mitarbeitenden des Kunden ebenso zuzuhören wie denen der Lieferanten oder Auftraggeber, dabei Fakten zusammenzutragen, diese zu analysieren und darauf basierend Entscheidungen zu treffen – das sei seine Stärke, fasst Tsionis zusammen.
Als Beispiel führt er den Chemnitzer Maschinenbauer MODUL MT an, über den jüngst auch die lokale Presse berichtete: Einst als VEB Zahnschneidemaschinenfabrik Modul Karl-Marx-Stadt bekannt, fertigt das Unternehmen bis heute Spezialmaschinen, mit denen sich Zahnräder von 30 Millimetern bis über zwei Meter Durchmesser herstellen lassen. Nach der Ausgliederung aus der FFG Unternehmensgruppe mussten bei MODUL Strukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten schnell neu aufgebaut werden. Gleichzeitig befand sich ein zeitkritischer Großauftrag für einen US-Kunden bereits in der Krise: „Im Unternehmen waren viele Strukturen verlorengegangen, vom Personalwesen bis zum Projektmanagement.“ Tsionis hörte sich die Probleme an, unterstützte Geschäftsführung und Projektmanagement bei der strategischen Vorbereitung wichtiger Termine, steuerte sein Verhandlungsgeschick bei – und konnte so nicht nur zur Stabilisierung, sondern auch zu neuer Wertschöpfung bei Modul MT beitragen.
Strukturen statt Dauerberatung
Alexandros Consulting will Unternehmen nicht auf Dauer von externer Unterstützung abhängig machen. „Man kauft Strukturen und keine Beraterpräsenz oder PowerPoint-Folien“, sagt Tsionis. Abläufe, Verantwortlichkeiten und Routinen sollten deshalb auch nach dem Mandat funktionieren. Die Einsätze dauern in der Regel sechs bis zwölf Monate. Drei bis vier Projekte gleichzeitig könne das Team derzeit parallel bearbeiten. Für Führungskräfte und Projektleiter bietet das Unternehmen auch kurze Sparrings an. Ob ein externer Blick genügt oder eine Begleitung im Projekt sinnvoll ist, lässt sich in einem ersten Gespräch klären.